Allgemeine Infos über Bakterien im Aquarium
Mittwoch 25. Februar 2009 von Stefanie
Bakterien
Bakterien sind überall auf der Erde verbreitet. Sie kommen im Boden, im Wasser, in der Luft, in Lebewesen und damit natürlich auch im Aquarium vor. Dabei handelt es sich um winzig kleine einzellige Lebewesen auch Mikroorganismen genannt.
Fische und Bakterien
Viele Menschen kennen Bakterien nur als Krankheitserreger, aber Bakterien besitzen für das Ökosystem Aquarium eine viel größere Bedeutung. Wie bei Menschen auch, können Bakterien bei Fischen Krankheiten verursachen. Ist die Bakteriendichte der „krankmachenden” Bakterien nicht so hoch schaffen Fische es dank ihres Immunsystems meistens diese Bakterien abzuwehren. Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Fische in einem gesundheitlich guten Zustand befinden. Gestresste Menschen werden ja auch öfters krank. In jedem Aquarium wird man dabei immer eine gewisse Konzentration an Krankheitserreger antreffen. Solange die Fische aber gesund und die Lebensbedingungen gut sind, werden sich die meisten Bakterienarten nicht vermehren. Ein vollkommen steriles Aquarium ohne jegliche Krankheitserreger wäre für die Fische dabei auch schädlich. Durch Krankheitserreger wird nämlich das Immunsystem angeregt, ansonsten würde es träge und schwach werden. Wie bei fast allem ist also das Maß entscheidend!
Bakterien existieren auch im Körper der Fische und verrichten dabei sehr nützlich Arbeit. Im Darm leben zum Beispiel sehr viele Bakterien, die helfen die Nahrung besser zu verdauen. Einige Fischarten wie Welse benötigen für die Verdauung von zelluloserreicher Pflanzennahrung bestimmte Bakterien im Darm. Was für Fische gilt, gilt auch für Menschen! Viele Menschen, die Antibiotika nehmen haben daraufhin Probleme mit ihrer Verdauung, da die Antibiotika nicht nur die „bösen Bakterien” angreifen. Daher ist der Einsatz von Antibiotika bei gesunden Menschen bzw. Fischen zur reinen Vorsorge als bedenklich einzustufen.
Bakterien können aber auch andere Funktionen im Aquarium übernehmen. Sie wandeln organische Abfälle im Aquarium wie Kot, Urin, Mulm, Pflanzenreste etc. in anorganische unbelebte Stoffe um. Diese dienen wiederum den Pflanzen als Nährstoffe. Durch diesen Mineralisierungsprozess stellt sich ein Gleichgewicht zwischen den Bakterien, Pflanzen und Tieren ein (siehe auch Ökosystem). Durch den Abbau der organischen Stoffe gewinnen Bakterien Energie für ihren Stoffwechsel. Dabei entstehen ganz nebenbei aus giftigen (z.B. Ammoniak, Nitrit) ungiftigere Stoffe /wie z.B. Nitrat). Die einzelnen Nährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff- und Phosphorverbindungen werden so in einem Kreislauf gehalten.
Umweltbedingungen
Bakterien können sich zum Teil sehr in ihren Ansprüchen an die Umwelt und ihren Stoffwechsel bzw. Abbauleistungen unterscheiden. So gibt es Bakterien, die Sauerstoff benötigen, anderen Arten vertragen keinen Sauerstoff und andere können in beiden Milieubedingungen leben. Unter sauerstofffreien Bedingungen entstehen zum Teil andere Endprodukte beim Abbau der organischen Materie. Da diese Endprodukte (z.B. Ethanol, Methan, Schwefelwasserstoff) für Fische giftig sein können, sollte immer etwas Sauerstoff im Becken, Filter und Boden vorhanden sein. Mal ganz abgesehen davon, dass die Fische Sauerstoff zum Atmen benötigen. Einige Bakterien sind, wie Pflanzen befähigt Photosynthese zu treiben, so z.B. Cyanobakterien. Diese werden auch Blaualgen genannt und sind ein sicheres Zeichen für schlechte Wasserverhältnisse (siehe Algen).
Bakterien zeichnen sich durch ihr großes Volumen im Vergleich zur geringen Oberfläche aus. Das günstige Verhältnis bewirkt einen hohen Stoffumsatz. Bakterien sind sehr flexibel und können bei ganz ungünstigen Umweltbedingungen Sporen ausbilden, in den der Stoffwechsel zum Erliegen kommt. Trotz der Flexibilität wird sich bei wechselnden Umgebungsbedingungen eine andere Bakterienzusammenstellung einstellen. Da dieser Wechsel immer etwas Zeit in Anspruch nimmt, sollte man größere Veränderungen im Aquarium wie zum Bespiel die Härte oder pH-Wert immer langsam vornehmen.
Vermehrung im Aquarium und Filter
Nach der Neueinrichtung eines Aquariums liegen kaum Bakterien im Becken und Filter vor. Die Vermehrung der Bakterien erfolgt asexuell. Unter günstigen Bedingungen können sich Bakterien innerhalb kürzester Zeit massenhaft vermehren. Während die Bakterien, die für den Abbau kohlenstoffhaltiger organischer Materie sich sehr schnell vermehren, benötigen die „Stickstoffabbauer” mehrere Wochen um eine ausreichend hohe Population im Aquarium aufzubauen. Daher ergibt sich auch die lange Einlaufphase eines Aquariums (siehe Stickstoffkreislauf).
Die Bakterien siedeln sich dabei im freien Wasser aber vor allem an Substraten an. Je größer die Oberfläche des Substrates dabei ist, desto mehr Bakterien bietet sie Platz. Der Filter maximiert die Oberfläche für die Bakterien und leistet so einen entscheidenden Beitrag zum Stoffabbau (siehe Filter).
Zusammenfassung
Damit die Bakterien dabei ihrer Funktion als Abbauer der organischen Masse im Aquarium gerecht werden können benötigen sie daher:
- eine ausreichende Sauerstoffversorgung (Ausnahme: Denitrifizierung)
- möglichst konstante Umweltbedingungen (Härte, Temperatur, pH-Wert etc.)
- eine nicht zu starke Strömung, damit sie an ihren Oberflächen haften bleiben
- möglichst keine Schadstoffe (wie zum Beispiel Schwermetalle)
- eine nicht zu gründliche Reinigung des Aquariums (kein heißes Wasser!)
- eine Einlaufphase: Zeit zum Entwickeln
- eine möglichst ausgewogene Fütterung der Fische
- möglichst viele Pflanzen im Becken, die durch ihre Wurzeln Sauerstoff in den Boden abgeben
- möglichst viel Oberfläche zum Besiedeln
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