Nitritvergiftung – die physiologische Wirkung von Nitrit
Mittwoch 29. April 2009 von Stefanie
Jeder Aquarianer weiß ja, dass Nitrit giftig für seine Fische ist, aber warum eigentlich?
Direkte Wirkung
Nitrite können Fische direkt schädigen oder indirekt durch Stress. Es handelt sich dabei um eine sehr reaktionsfähige Substanz, die in der Lage ist andere Stoffe zu oxidieren. Nitrite können an Stelle des Sauerstoffs an Eisenatomen in eisenhaltigen Enzymen gebunden werden, wie zum Beispiel den Enzymen der Zellatmung.
Ein wichtiges Eisenenzym ist das Hämoglobin, welches den Sauerstoff im Blut transportiert und so die Sauerstoffversorgung der Fische sicherstellt. Nitrit oxidiert dabei das Eisenatom und das Hämoglobin wird in Methämoglobin umgewandelt, welches in der Form zwar Sauerstoff aufnehmen, aber nicht mehr an die Zellen abgeben kann.
Nun besteht die Möglichkeit die Oxidierung des Eisenatoms durch ein körpereigenes Enzym wieder aufzuheben und das Methämoglobin wieder in Hämoglobin umzuwandeln. Bei Vorliegen größerer Mengen stark oxidierender Substanzen, wie Nitrit, kommt der Reparaturmechanismus aber nicht mehr hinterher und die Fische können trotz guter Sauerstoffverhältnisse im Becken unter Sauerstoffmangel leiden. Aus diesem Grunde erklärt sich das Symptom der schnellen Atmung bei einer Nitritvergiftung.
Da die Nitritionen über die Chloridzellen aufgenommen werden und mit den Chloridionen konkurrieren, kann es zur Verarmung an Chloridionen in Fischen kommen. Chloridionen üben wichtige Funktionen im Körper aus und sind daher lebenswichtig.
Im Körper angelangt kann Nitrit zu einer Abreicherung von Kalium aus den Erythrozyten (enthalten das Hämoglobin) führen [1]. Auch Kaliumionen spielen eine wichtige Rolle im Körper wie zum Beispiel in der Osmoregulation.
Desweiteren vermögen Nitrite mit Aminen im sauren pH-Milieu zu krebserregenden Nitrosaminen zu reagieren.
Indirekte Wirkung
Nitrite sind im Stande, wie auch andere giftige Substanzen, zu Stress zu führen. Fische schützen sich bei Stress durch die Ausschüttung von Stresshormonen. Diese sollen eigentlich Energie bereitstellen, damit der Fisch der Gefahrenquelle entfliehen kann oder gegeben falls für einen Kampf bereit ist. Das Stresshormon Kortisol zum Beispiel wirkt entzündungshemmend und unterdrückt das Immunsystem, was ja viel Energie benötigt.
In einer Studie von Carballo et.al [2] stieg nach Belastung von Regenbogen-forellen mit Nitrit deren Kortisolspiegel an. Die Kortisolkonzentration im Blut kann zwar auch durch Bewegung wieder abgebaut werden (Abbaugeschwindigkeit kann auch unter Umständen langsamer sein), in dem Moment des hohen Kortisolspiegels sind Fische aber anfällig gegenüber Krankheiten. So entwickelten in der Studie von Carballo et.al [2] alle Regenbogenforellen, dessen Kortisolspiegel höher als 370ng/ml war, eine Pilzkrankheit, der sie kurzfristig ausgesetzt wurden. Bei den Regenbogen-forellen mit einer geringeren Kortisolkonzentration als 370ng/ml brach die Krankheit nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 24% aus.
Nitrite können so in sublethaler (nicht tödlicher) Konzentration die Entwicklung und das Aufkommen von Krankheiten begünstigen. Dies kann auch für bakterielle Krankheiten gelten [3]. Hierbei sei noch angemerkt, dass auch geringe aber dafür stetige Belastung zu Stress führen (Dauerstress) und gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen können.
–> Daraus wird deutlich, warum man Fische immer unter guten Wasser-verhältnissen pflegen sollte und warum Fische im schlechten Wasser häufiger krank werden bzw. krankheitsanfälliger sind als Fische in unbelastetem Wasser.
Auch wenn ihre Fische bei einer erhöhten Nitritkonzentration nicht unbedingt sofort sterben, kann sich die Nitritbelastung doch später rächen und die Fische erkranken plötzlich. Daher sollte bei einer Neueinrichtung immer die Einlaufphase (am besten 4-6 Wochen) eingehalten werden.
Literatur:
[1] JENSEN, F.B. (2003). Nitrite disrupts multiple physiological functions in aquatic animals. Comparative Biochemistry and Physiology A 135 (1):9-24.
[2] M. CARBALLO,* M. J. MUN ˜OZ, M. CUELLAR, AND J. V. TARAZONA (1995). Effects of Waterborne Copper, Cyanide, Ammonia, and Nitrite on Stress Parameters and Changes in Susceptibility to Saprolegniosis in Rainbow Trout (Oncorhynchus mykiss). Appl. Environ. Microbiol Vol. 61, No. 6: 2108-2112
[3] Hanson, L. A., and J. M. Grizzle. 1985. Nitrite-induced predisposition of channel catfish to bacterial diseases. Prog. Fish-Cult. 47:98-101
http://www.bssw-online.org/archives/266
Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 29. April 2009 um 12:23 und abgelegt unter Krankheiten, Physiologie. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


