Welche Wasserhärte für welchen Fisch? – die Diskussion
Sonntag 8. März 2009 von Stefanie
Bevor ich die Frage beantworte ob Weichwasser auch in härteren Wasser gehalten werden, möchte ich alle bitten sich die Grundlagen der Osmoregulation durch zu lesen. Oft wird im Netz die Frage nach den erforderlichen Wasserwerten für die Fische gestellt. Sehr viele Bücher als auch Webseiten empfehlen, die Fische nach den zu Hause vorherrschenden Wasserwerten auszuwählen. Für die Fische werden in Verzeichnissen wie z.B. dem Zierfischverzeichnis (siehe Top 100 Liste) erforderliche Wasserwerte (KH, GH und pH-Wert) angegeben. Diese ergeben sich aus den Wasserwerten an den Verbreitungsorten der Fische in der Natur. Kann man solch ein Wasser den Fischen nicht zur Verfügung stellen, wird angeraten das Wasser zu enthärten oder aufzuhärten bzw. die GH und KH zu senken oder zu erhöhen. Um dies zu gewährleisten hält die moderne Aquaristik diverse Techniken und Chemikalien bereit.
Diskussion im Forum
Um diese Frage zu beantworten möchte ich euch eine Zusammenfassung einer Diskussion im Diskusforum (siehe 100 Top Liste) vorstellen, in der viele wichtige Teilaspekte behandelt worden sind. Die folgenden Begründungen bezogen sich dabei nur auf die Haltung und nicht auf die Zucht :
http://www.ph-diskus.de/Diskussionsforum/viewtopic.php?f=3&t=5507
Ausgangspunkt der Diskussion war ein Vortrag/Artikel aus der DATZ von Dr. Hetz.
In diesem berichtete er, dass der aktive Ionenaufnahmeprozess von Süßwasserfischen über die Kiemen zur Aufrechterhaltung der Ionenkonzentration in der Zelle sehr energieaufwendig ist. Aufgrund des höheren Ionenkonzentrationsgradienten im Weichwasser sollen Süßwasserfische dafür mehr Energie aufbringen als in etwas härterem Wasser. Extremes Weichwaser soll also ungünstigere Bedingungen darstellen. Der Ionentransport verbraucht dabei ca. 30-50% des gesamten Energieverbrauches.
In der Natur in huminstoffreichen Wasser (Schwarzwasser) erleichtern Huminstoffe allerdings die Ionenaufnahme und zusammen mit einem niedrigen pH-Wert reduzieren beide Faktoren die Keimdichte.
Vom Standpunkt der Regulationsfähigkeit aus gesehen haben Untersuchungen gezeigt, dass Fische, die von weichen Wasser in hartes Wasser gesetzt wurden sind sich innerhalb weniger Stunden angepasst haben (Wood et al. 2002; Wang et al. 2003; Gonzalez & Wilson 2001). Die Anpassung von Weichwasserfischen in härterem Wasser geht dabei leichter und schneller, als bei Fischen, die hartes Wasser gewohnt sind und ins Weichwasser gelangen.
Sein Fazit:
→ Weichwasserfische kommen in etwas härteren Wasser besser zurecht als im extremen Weichwasser, sofern man die Keimdichte und Abbauprodukte durch andere Methoden reduzieren kann.
Hauptaussagen der Diskussion:
Befürwortung der Hypothesen:
- Kann ein Fisch in extremen weichen Wasser seine erforderlichen Ionenkonzentration aufrecht erhalten, so kann er diese erst recht im etwas härteren Wasser konstant halten, da bei geringeren Konzentrationsgradient weniger Energie aufgewendet werden muss.
- Erfahrungen haben gezeigt, dass Diskusfische während der Haltung in mittelharten Wasser (5 – 10°dGh) weniger Probleme zeigen als in extremen Weichwasser (<2dKH).
- Aquarienfische zeigen bei einer medikamentösen Behandlung mit Kochsalz eine relativ hohe Salztoleranz.
- In der Studie von Wood et al. 2007 konnte für den untersuchten Fisch, der zwischen Brackwasser und Süßwasser hin und herwandert erhebliche Unterschiede im Stoffwechsel gezeigt werden.
- Man kann im Aquarium nicht die gleichen Bedingungen wie im Amazonas nachahmen. Während in der Natur immer in geringen Konzentration die notwendigen Mineralien im Wasser vorhanden sind, kann man diesen Zustand im Aquarium etwas schwieriger bei extremen Weichwasser nachstellen
Daraus ergeben sich folgende Fragen:
Wieso leben Fische in extrem weichen Wasser?
Eine hohe Konzentration an Huminstoffen erleichtert die Ionenaufnahme und bewirkt mit einen niedrigen ph-Wert eine geringe Keimdichte. In einen Ökosystem existieren nur eine begrenzte Anzahl von ökologischen Nischen. Weichwasserfische können von konkurenzstärkeren Fischen verdrängt werden und in lebensfeindlichere Orte übersiedeln. Durch ihre Anpassung an diese extremen Habitate können sie dort konkurrenzlos leben.
Der optimale pH-Bereich für viele Bakterien befindet sich zwischen pH 7,2 bis 7,8 (Schlegel 1992). Desweiteren benötigen sie im umgebenden Milieu genügend Ionen und organische Stoffe für den Aufbau ihrer Körpersubstanz. In einem organisch verschmutztes, leicht alkalisches, mittelhartes Leitungswasser mit dauernd zugeführten organischen Nährstoffen, wie oft im Aquarium können Bakterien besonders gut leben. Viele Huminsäuren können das Wachstum von Bakterien hemmen. Weitere Hemmfaktoren sind eine geringe Ionenkonzentration und ein geringer pH-Wert. Schwarzwasser bietet also die umgekehrten Verhältnisse zu „normalem” Aquarienwasser.
Warum spielt der Energieaufwand in einem Aquarium mit ausreichender Futterzufuhr überhaupt eine Rolle?
Jungfische haben mehr Energie zum wachsen und weniger Energieaufwand bedeutet einen geringeren Stoffwechsel- eine geringere Ausscheidung organischer Stoffe und so weiter
Zu den Kritikanmerkungen
- Eine Aklimatisierung an die veränderten Wasserwerte ist keine Adaption
- Kann die Niere des Fisches in härterem Wasser unbeschadet eine geringere Durchflussrate tolerieren (ohne Ablagerungen) da sie sich ja innerhalb von 50 000 Jahren auf eine hohe Absonderung von Urin eingestellt bzw. angepasst hat?
- es wurde nur der Regulationsmechanismus für den Ionentransport berücksichtigt
- man kann nicht alle Wasserwerte messen, vieles ist noch unbekannt
Zu meiner Meinung und zu meinen Fazit komme ich dann morgen.
Weiterführende Literatur:
Hetz, S. K. (2003). Weichwasserfische und ihre Probleme. Aquaristik Fachmagazin (AF) 35, 109-110.
Wood, C. M., Du, J. Z., Rogers, J., Brauner, C. J., Richards, J. G., Semple, J. W., Murray, B. W., Chen, X. Q. and Wang, Y. X. (2007). Przewalski’s naked carp (Gymnocypris przewalskii): An endangered species taking a metabolic holiday in Lake Qinghai, China. Physiological and Biochemical Zoology 80, 59-77
Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 8. März 2009 um 18:47 und abgelegt unter Fische. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.



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